Die wichtigsten Versicherungen - Pflicht, sinnvoll oder verzichtbar?

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Frau beraten von Mann
Das Wichtigste zum Thema Versicherungen
  • Einige Versicherungen sind Pflicht – Krankenkasse, AHV/IV/EO, für Angestellte auch ALV, BVG und UVG sowie die Motorfahrzeug-Haftpflicht.
  • Vieles läuft automatisch über den Lohn. Nur um die Krankenkasse musst du dich selbst kümmern.
  • Die Privathaftpflicht ist nicht überall vorgeschrieben, aber für fast jeden Haushalt ein Muss.
  • Wie viel Schutz du brauchst, hängt von deiner Lebenslage ab: allein, mit Familie, mit Hypothek oder selbständig.
  • Viele Kleinpolicen (Handy, Ticket, Reisegepäck) lohnen sich kaum – kleine Schäden trägst du besser selbst.

Die wichtigste Regel: Versichere nicht alles, was passieren kann. Versichere das, was dich finanziell ernsthaft gefährden würde.

Erste Wohnung, Familiengründung, Schritt in die Selbständigkeit oder Eigenheim: 

Beim Thema Versicherungen kommt man schnell ins Grübeln. 
  • Was ist Pflicht? 
  • Was schützt vor existenziellen Risiken? 
  • Und welche Police kostet vor allem Prämie? 

Dieser Check ordnet die wichtigsten Versicherungen ein – mit klarer Empfehlung statt Versicherungs-Latein.

Frau rechnet

So entscheidest du richtig

Du musst nicht alles auf einmal abschliessen. Bau deinen Schutz in drei Stufen auf: 

  1. Stufe 1: das gesetzliche Fundament
  2. Stufe 2: den existenziellen Grundschutz
  3. Stufe 3: situative Ergänzungen. 
Bei jeder Police helfen dir drei Fragen:
  1. Ist sie gesetzlich vorgeschrieben?
  2. Würde mich der Schaden finanziell ernsthaft treffen?
  3. Bin ich vielleicht schon abgedeckt – über Arbeitgeber, Krankenkasse, Kreditkarte, Hausrat oder Haftpflicht?

Stufe 1: das gesetzliche Fundament - Pflicht

Kranken-Grundversicherung (KVG): 

für alle mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch, abzuschliessen innert drei Monaten nach Zuzug oder Geburt. Die Leistungen sind überall gleich – Unterschiede gibt es nur bei Prämie und Modell. Empfehlung: Hohe Franchise (bis CHF 2'500) lohnt sich, wenn du selten zum Arzt gehst und Reserven hast; tiefe Franchise, wenn du regelmässig Leistungen beziehst. Schau nicht nur auf die Prämie, sondern auch auf Modell, Ärztenetz und Spitalliste.

AHV/IV/EO: 

sichert Existenz im Alter, bei Invalidität und Erwerbsausfall. Aber: Die AHV ist nur eine Grundsicherung (max. CHF 2'520 pro Monat im Jahr 2026, ab Dezember 2026 plus 13. Rente) und ersetzt deinen Lebensstandard nicht.

ALV, BVG und UVG: 

für Angestellte Pflicht und laufen über den Lohn. Die berufliche Vorsorge (BVG) greift ab einem Jahreslohn von CHF 22'680 (2026). Achtung 8-Stunden-Regel: Arbeitest du mindestens acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber, bist du über die UVG auch in der Freizeit gegen Unfall versichert – sonst nicht. Bei Stellenwechsel, Teilzeit oder Selbständigkeit unbedingt neu prüfen.

Motorfahrzeug-Haftpflicht: 

Pflicht für jedes eingelöste Fahrzeug. Empfehlung: Deckungssumme grosszügig wählen – Personenschäden können extrem teuer werden.

Gebäude und Hausrat je nach Kanton: 

In den meisten Kantonen ist die Gebäudeversicherung gegen Feuer und Elementarschäden Pflicht. Und: In Nidwalden, Waadt, Freiburg und Jura ist auch die Feuer-/Elementardeckung für den Hausrat obligatorisch – «Hausrat ist immer freiwillig» stimmt also nicht ganz.

Arzttermin

Stufe 2: der existenzielle Grundschutz - Unbedingt prüfen

Diese Versicherungen sind freiwillig, decken aber genau die Risiken ab, die dich ruinieren könnten.

Privathaftpflicht – das wichtigste Freiwillige überhaupt. 

Sie zahlt, wenn du anderen einen Schaden zufügst, und schützt dein Vermögen und künftiges Einkommen. Empfehlung: mindestens CHF 5 Mio. Deckung, besser CHF 10 Mio. – der Aufpreis ist meist gering. Für Hundehalter:innen ist sie in vielen Kantonen Pflicht.

Hausrat – für die meisten sinnvoll. 

Schützt Möbel, Elektronik, Sport- und Fotoausrüstung gegen Feuer, Wasser, Diebstahl und Elementarereignisse. Empfehlung: Versicherungssumme = Neuwert deines gesamten Hausrats. Zu tief = Unterversicherung, zu hoch = unnötige Prämie. Hausrat und Haftpflicht gibt es oft im Paket – bequem, aber nicht automatisch günstiger.

Einkommensschutz – das unterschätzte Risiko. 

Deine Arbeitskraft ist dein grösstes Vermögen. Bei Unfall greift die UVG – bei Krankheit gibt es aber keine allgemeine Pflichtdeckung, und IV plus Pensionskasse reichen selten an dein bisheriges Einkommen heran. 

Risikoleben – wenn andere von dir abhängen. 

Zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe. Empfehlung: zentral bei Familien, Hypothek und vor allem im Konkubinat, wo die gesetzlichen Hinterlassenenleistungen schwach sind. Für reinen Todesfallschutz ist die getrennte Risikolösung meist transparenter als eine gemischte Police mit Sparanteil.

Säule 3a – Vorsorge mit Steuervorteil. 

Keine Versicherung im engeren Sinn, aber zentral. Maximalbeträge 2026: mit Pensionskasse CHF 7'258, ohne CHF 36'288 pro Jahr. Seit 2026 sind auch nachträgliche Einzahlungen für Lücken ab 2025 möglich. Empfehlung: früh starten (Zinseszins!), und Sparen bewusst vom Risikoschutz trennen.  

Altes Paar tanzt

Stufe3: Situative Ergänzungen - freiwillig und nur wenn es zu dir passt

Rechtsschutz: 

sinnvoll bei erhöhtem Konfliktrisiko (Miete, Verkehr, Beruf). Achtung: laufende Streitigkeiten sind nie gedeckt – nicht erst abschliessen, wenn es brennt.

Krankenzusatz: 

für mehr Komfort (Spital halbprivat/privat, freie Arztwahl, Zahn, alternative Medizin). Früh prüfen, denn hier dürfen Versicherer Gesundheitsfragen stellen und ablehnen – gerade bei Kindern.

Auto-Kasko: 

Vollkasko bei Neuwagen, teuren oder geleasten Fahrzeugen; bei älteren Autos eher Teilkasko oder nur Haftpflicht.

Reiseversicherung: 

lohnt sich für Vielreisende. Vorsicht vor Doppelversicherung – vieles ist schon über Krankenkasse, Kreditkarte oder TCS gedeckt.

Tier- und Wertsachendeckung: 

sinnvoll bei hohen möglichen Kosten bzw. wertvollen Einzelstücken (Schmuck, Kunst, Fotoausrüstung), die der Hausrat nur begrenzt deckt.

Freu freudig Checkliste

Das kannst du dir oft sparen

  • Handy-, Laptop- und Elektronikpolicen: teuer, viele Ausschlüsse – Feuer, Wasser und Einbruch sind oft schon im Hausrat. Besser: eine Reserve für Ersatz.
  • Insassenunfallversicherung: meist überflüssig, da Personenschäden bereits über UVG, Krankenkasse und Haftpflicht gedeckt sind.
  • Unfallzusatz in der Krankenkasse (bei Angestellten ab 8 Std./Woche): kann meist ausgeschlossen werden, weil die UVG bereits greift.
  • Mietkautionsversicherung: langfristig teuer – ein Mietkautionskonto ist meist günstiger.
  • Ticket-, Gadget-, Skibruch- und Nischenpolicen: lohnen sich selten. Besser eine kleine Rücklage.

Auf einen Blick

Versicherung Pflicht? Wichtig für
Kranken-Grundversicherung KVG Ja Alle mit Wohnsitz in der Schweiz
AHV / IV / EO Ja Erwerbs- und Nichterwerbstätige
ALV / BVG / UVG Ja, für Angestellte Angestellte und Lernende
Motorfahrzeug-Haftpflicht Ja, bei Fahrzeug Auto-, Motorrad-, Rollerfahrende
Gebäudeversicherung Je nach Kanton Wohneigentümer:innen
Hausrat (Feuer/Elementar) In NW, VD, FR, JU Haushalte in diesen Kantonen
Privathaftpflicht Nein, aber zentral Praktisch alle Haushalte
Hausrat Meist freiwillig Mieter:innen, Eigentümer:innen, Familien
Einkommensschutz Freiwillig Familien, Selbständige, hohe Fixkosten
Risikoleben Freiwillig Familien, Hypothek, Konkubinat
Säule 3a Freiwillig Erwerbstätige
Rechtsschutz Freiwillig Je nach Lebenslage
Krankenzusatz Freiwillig Je nach Lebenslage
Wertsachen Freiwillig Je nach Lebenslage
Kasko / Reise / Tier Freiwillig Je nach Lebenslage

Die Schweizer Daumenregel

1. Existenzbedrohende Risiken immer versichern: 

Gesundheit, Haftung, Erwerbsunfähigkeit, Risikoleben bei Familie/Hypothek, Gebäude bei Wohneigentum.

2. Mittelgrosse Risiken situativ abdecken: 

Rechtsschutz, Krankenzusatz, Kasko, Reise, Tier, Wertsachen.

3. Kleine Schäden selbst tragen:

Handy, Ticket, Gadget – meist teurer versichert als der Schaden selbst.

Fazit: Nicht möglichst viel versichern, sondern richtig

Guter Schutz heisst nicht möglichst viele Policen, sondern grosse Risiken sauber abdecken und kleine bewusst selbst tragen.

Die Reihenfolge: 

Pflicht erfüllen → existenzielle Risiken absichern → Vorsorge- und Einkommenslücken prüfen → situativ ergänzen → Kleinpolicen kritisch hinterfragen. 

Wer regelmässig überprüft, vermeidet Lücken, Doppelversicherungen und unnötige Prämien.

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Beratung Männer

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Leistungen, gesetzliche Vorgaben, Prämien und Vorsorgebeträge können sich ändern. Stand: Mai 2026.

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